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Tag der offenen Tür im Beruflichen Schulzentrum Leipziger Land (LVZ 15.11.2012- S. Grätz)

Werbung fürs Handwerk

Böhlen. Ein riesiger Truck der Dachdeckerinnung - seit 27 Jahren bundesweit als Werbeträger unterwegs - stand gestern erstmals auf dem Gelände des Beruflichen Schulzentrums Leipziger Land in Böhlen (BSZ). Zum dritten Mal dieser Art hatte die Bildungseinrichtung zum Tag der offenen Tür geladen, um ganz bewusst für sich und interessante Ausbildungen und Berufe aus dem Handwerk zu werben.
Acht Innungen und 20 Betriebe aus verschiedenen Gewerken waren anwesend, um sich zu präsentieren. "Viele Schüler wissen gar nicht, was Handwerk ist", sagte der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ingo Schöne. Dabei biete es interessante berufliche Perspektiven. Allerdings nicht ohne Einsatz. Es lohne sich, um die Noten 2 und 3 zu kämpfen. "Ein Gesellenbrief wird nicht hinterhergeworfen", so Schöne.
Der vielfach beschriebene Fachkräftemangel ist längst an der Basis angekommen. "Es ist schwierig, jemanden zu finden", sagt Enrico Lipfert, Chef der Bad Lausicker Firma Lipfert Bedachungen. Dabei habe der Dachdecker "einen schönen Job an der frischen Luft", so der 43-Jährige. Und einen vielfältigen dazu. Aber die Zunft werde nicht wahrgenommen. Lipfert bietet daher Praktika an, um Kindern die Möglichkeit zu geben, "mal reinzuriechen".
Auch Ronny Kneist, Lehrausbilder bei der Firma Marko Pfaff & Co. Spezialfahrzeugbau aus Buchheim, kennt die Probleme. "Viele haben kein Interesse an der Arbeit. Es ist schwieriger, geeignete Leute zu finden", sagt der 27-Jährige. Lehrling Sebastian Nusser (23) lernt im Februar aus und möchte in der Branche bleiben. Der Rettungsassistent fand keinen Job und über Umwegen zu Pfaff. Es sei momentan eine reine Männerdomäne, aber Frauen könnten es "bei Interesse" auch.
Rund 450 Schüler der Klassenstufen acht bis zehn nutzten den Tag gestern für eine berufliche Orientierung. Frühere Veranstaltungen an Sonnabenden fanden kaum Besucher. "Wir müssen viel tun, um Schüler in Böhlen zu halten", sagte Schulleiter Jörg Großkopf. Die Zusammenarbeit mit dem Handwerk bilde einen Mehrwert gegenüber anderen BSZ.
Und so bot der Tag auch Gelegenheit, sich einen Überblick über die reichhaltigen Möglichkeiten am BSZ in Böhlen zu verschaffen. Ab 2013/2014 werden in der modernen Einrichtung, die zurzeit erweitert wird, etwa 1000 Berufsschüler lernen. Einiges sei besonders gefragt, so gibt es erstmals zwei Klassen Biotechnologie am beruflichen Gymnasium. Anderes sei weniger im Fokus. "Berufsorientierung kommt im Lehrplan zu kurz", nennt Thomas Reck einen Grund. Die Leitung am BSZ war mit der gestrigen Resonanz zufrieden. Auch wenn an diesem Tag, der auch normalen Unterricht bietet, "jeder an seine Grenze kommt".
Für 2013 ist eine Neuauflage jedenfalls fest eingeplant, hieß es.

 

Anmerkung: Die Schulleitung bedankt sich bei allen Lehrkräften und Schülern für Ihren Einsatz, ganz besonders bei den Lotsen!

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